Das Felsenmeer: die Entstehung

Felsenmeer - Entstehung
Die Felsen - entstanden sie durch Erosion oder waren es nicht vielleicht doch die Riesen?
Die Riesensäule - Römerwerk oder Riesenkegel?
Das alte Kesselhaus zeugte von emsiger Tätigkeit im Felsberg

Der geteilte Odenwald: Hartstein und Buntsandstein

Mitten durch den Odenwald verläuft von Nordosten nach Südwesten eine geologische Grenze: der vordere Odenwald wird auch kristalliner Odenwald genannt und zeigt sich mit kleinen Kuppen, die von vielen Tälern durchzogen sind. In der Hauptsache setzt sich das Gestein aus Granit zusammen. Im kristallinen Odenwald liegt auch der Felsberg. Der hintere Odenwald dagegen mit seinen großflächigen waldigen Hügeln besteht aus Buntsandstein.

Markanter Punkt auf der Wasserscheide

Der Odenwald ist auch in anderer Hinsicht geteilt: durch die große Wasserscheide, die die Zuflüsse zum Neckar von den Main-Zuflüssen trennt. Hierbei spielt der Felsberg eine „tragende" Rolle. Vom Melibokus über den Felsberg zieht sich die Höhenlinie zur Neunkircher Höhe hinüber in den hinteren Odenwald mit dem Krähberg bis ins Bauland.

Dokumente menschlicher Tätigkeit aus zwei Jahrtausenden

Der Felsberg bietet neben den natürlichen Schätzen der Erde zahlreiche historische Denkmäler aus der Römerzeit und aus den Jahrhunderten, die darauf folgten. Für die Erkundung sollte man sich ein paar Tage Zeit gönnen, vorzugsweise an regnerischen Werktagen. Denn dann kann es vorkommen, daß man das ganze Felsenmeer für sich alleine hat.

Geologie: zur Abwechslung mal spannend...

Obwohl der Odenwald schon zu den älteren Gebirgen gehört, nahm er seine jetzige Form erst vor etwa 60 Millionen Jahren an. Zu dieser Zeit, die von Geologen auch als Tertiär oder Erdneuzeit bezeichnet wird, brach der Rheingraben auf einer Länge von etwa 300 km ein, rechts und links davon blieben zwei große Gebirgsschollen stehen: auf der Westseite der Pfälzer Wald und die Vogesen und auf der Ostseite Odenwald und Schwarzwald.

Die Odenwaldscholle scheint sich beim Grabeneinbruch sogar noch etwas weiter gehoben zu haben, so daß das ganze Gebirge von West nach Ost abfällt. Die steilsten Hänge findet man an der Kante zur Bergstraße von Eberstadt bis Heidelberg mit einer Unterbrechung zwischen Auerbach und Heppenheim.

Dazwischen, sozusagen in der zweiten Reihe, erhebt sich der Felsberg mit 514 Metern Höhe, gleich hinter dem Melibokus mit 517 m und Auerbacher Schloß mit 346 m.

Der Grund, warum der Felsberg aus der Reihe tanzt, liegt in der Hauptrichtung vieler unserer Mittelgebirge: seit ca. 350 bis 270 Millionen Jahren verlaufen sie von Südwest nach Nordost. Flüssige Gesteine drangen damals, in der Karbonzeit, aus dem heißen Erdinnern in die Erdkruste herauf und schmolzen diese zum Teil mit auf. Beim Erkalten entstand die SW-NO-Ausrichtung, auch variskische oder erzgebirgische Streichung genannt - das heißt, die Hauptzüge sind wie viele andere Mittelgebirge genauso wie das Erzgebirge ausgerichtet.

Zwischen den Hauptzügen des Odenwaldes gruben sich im Lauf der Jahrmillionen Flüsse und Bäche auf ihrem Weg zum Rhein ein. So wurde der Felsberg im Süden von der Lauter und im Norden von Quattelbach und Auer vom Rest getrennt und bildete mit der Zeit einen eigenen Berg.

Viel interessanter als die Frage, wie der Felsberg selbst entstanden ist, ist aber, wie die Felsenmeere gebildet wurden. Natürlich darf man glauben, daß sie das Ergebnis von Wutausbrüchen steinewerfender Riesen sind. Jeder, der einmal vor den gigantischen Blockströmen steht, gerät wohl ins Staunen und Phantasieren.

Die Geologen haben allerdings eine andere Erklärung:

Als sich die Mittelgebirge im Karbon auffalteten und von glutflüssiger Magma durchzogen und angeschmolzen wurden, entstanden kompakte Gesteinsmassen von vielen Kubikkilometern Größe. Bei der Abkühlung entstanden Schrumpfrisse, die in verschiedenen Kluftsystemen verlaufen, so daß sich einzelne Blöcke bildeten. In diesen Blöcken, die in einer Tiefe von mehreren Tausend Metern lagen, hatten sich unter dem Druck der auf ihnen lastenden Gesteine verschiedene Kristalle gebildet. Denn jedes der darin enthaltenen Mineralien bevorzugt seine eigene Formbildung, die dem Block eine Struktur gibt. Und diese Struktur ist später noch von großer Bedeutung.

Denn auf die heiße Vulkan-Zeit des Karbon folgten Jahrmillionen, in denen Wind und Wasser auf die gigantischen Steinblöcke einwirkten. Schließlich wurde so auch unser Odenwald zu einer sanften Hügellandschaft - vorher muß man sich die Gegend eher so vorstellen, wie die Alpen heute aussehen. Hinzu kamen Kräfte im Innern der Erde, die immer wieder abgetragene Gebirgsreste an die Oberfläche hoben, so daß sie von Wind und Wetter weiter bearbeitet werden konnten.

Schließlich war das schützende Oberflächengestein zerstört, und die Riesenblöcke aus der Tiefe lagen bloß. Hier kommt die Kristallstruktur der darin enthaltenen Mineralien zum Einsatz. Die verschiedenen Kristalle ordnen sich nämlich in bestimmten Richtungen, so daß neben den Fugen und Rissen auch Kristallbänder die scheinbar kompakte Gesteinsmasse durchziehen. Wasser und Frost haben hier eine gute Angriffsfläche: das Wasser dringt in die Fugen ein, und bei klirrendem Frost konnte es den Stein zersprengen. Der Felsberg-Granit - so hart und fest er auch dem Sprichwort nach ist - blieb von dieser Jahrmillionen andauernden Zerstörung nicht verschont. Auch heute noch dauert dieser Vorgang an.

Quarz, Feldspat, Glimmer und Hornblende heißen die Mineralien, die den Felsberggranit bilden. Aufgrund der besonderen Zusammensetzung des Felsberggranits entstanden so die typischen runden Felsen, die an ein Geröllfeld erinnern. Tatsächlich aber sind sie nicht von Gletschermassen hierhergerollt worden, sondern erhielten ihre heutige Gestalt an Ort und Stelle. Natürlich bildeten sich durch die Verwitterung größere Rinnen aus, in denen die rundgewaschenen Felsbrocken liegenblieben, als der verwitterte Gesteinsgrus (= zerkleinertes Gestein von Sand- bis Kiesgröße) vom Wasser abtransportiert worden war.

Anders als die Schotterflächen der Endmoränen, die vom Gletscher über weite Strecken transportiert wurden, verwitterten sie also hier an Ort und Stelle.

Zuerst witterte aus dem Felsberggranit der Feldspat heraus und ließ einen groben Verbund aus Quarz und Glimmer zurück. Die harten Gesteinsbrocken rundeten sich mit der Zeit, alle scharfen Kanten wurden von Wind und Wasser abgetragen, bis ein Felsen zurückblieb, der einem prall gefüllten Sack ähnelt. Deshalb nennen Geologen diese Form der Verwitterung auch „Wollsackverwitterung". Sie setzt sich von oben nach unten fort, indem durch die oben immer breiter werdenden Zwischenräume mehr Wasser in die Tiefe vordringen und auch dort den Quarzgrus fortwaschen kann. Schließlich sacken die nun einzeln aufeinanderliegenden Blöcke zusammen, rutschen noch ein bißchen in die Rinne hinein, und die Entstehung eines Felsenmeeres ist fertig.

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Natürliche Steinformationen

Felsenmeer, Geologie
Die Gralburg: schräge Felsbrocken umgeben ein idyllisches Fleckchen - die einstige Behausung des Riesen Felshocker?
Das Krokodil unterhalb der Brücke
Der Riesensessel
Glatte Abspaltung, wo weichere Mineralien in eine Gesteinsspalte einsickern konnten

Einige der seltsamen Felsformationen sind durchaus natürlich entstanden, so zum Beispiel die Gralburg, eine durch Riß-Verwitterung entstandene burgähnliche Steingruppe. Oder das Krokodil und der Riesensessel... 

Römische Werkstücke

Berühmtestes Römerstück: die Riesensäule
Der Altarstein mit vier römischen Sägeschnitten
Der Geschrammte Stein: ein Profi und ein Anfänger an einem Werkstück - das geht nicht gut...
Die Eckkonsole: kleines Werkstück in der Nähe des Eulenturmes
An der Pyramide gibt es die einzige im Felsberg vorhandenen waagerechten Keilspaltung
Die Kreisplatte: riesige Frisbeescheibe oder Ufo? Foto: Stock, Reichenbach
Der Pranger steht heute auf dem Reichenbacher Marktplatz
Auch der sogenannte Regenbogenstein ist nicht mehr im Felsberg: er liegt vor dem Rathaus
Die Riesenkiste in der Nähe der Brücke - was sie wohl enthalten mag...

Geübte Steinarbeiter sehen einem Stein die günstigsten Gänge oder Spaltungszüge an. Die Steinmetzen der Römer hatten aus dem Mittelmeerraum die Technik der Keilspaltung mitgebracht. Sie schlugen Rillen in den Stein und setzten dann eiserne Keile hinein, auf die sie ein ums andere Mal mit schweren Hämmern einhieben. Doch die Keile schnitten nicht in den Stein, sie drückten nur beide Seiten auseinander, bis der ganze Klotz endlich zersprang. Zehn Tage schufteten die Arbeiter an einem einzigen Keilgraben.

Ein findiger Arbeiter vermutlich erfand endlich die Steinsäge, die von Gewichten gehalten, leicht und schnell durch den Stein schwang, zumindest leichter und schneller als das ewige Gehämmer auf die Keile vorwärtsging. Eigentlich war es kein Sägen, sondern vielmehr ein Schleifen mit feinem Quarzsand, und auf diese Weise konnte man auch quer zu den Gängen heile Platten und Klötze abspalten. Bald waren die Serrarii, die Männer an den Sägen, von allen beneidete Glückspilze, war doch ihre Arbeit viel leichter und angenehmer als das Steinhauen.

Zur Meisterschaft brachten es die Römer mit der wundervoll ebenmäßigen Rundung der Säulen für den Trierer Dom. Hier sollte ein Prunkpalast für einen Kaiser gebaut werden. Dem römischen Kaiser Gratian genügte die prachtvolle Kathedrale zu Trier, die sein Vorgänger Konstantin errichten ließ, nicht mehr. Größer, prunkvoller und prächtiger mußte sie werden. So ließ er eine Halle daranbauen, vierzig mal vierzig Meter groß. Gestützt werden sollte sie von mächtigen Säulen aus dem Granit des Felsberges. Vier jener Säulen hatten die Steinhauer im Schweiße ihres Angesichtes fertiggestellt, sie befanden sich auf der Reise rheinabwärts bis nach Trier, das zu jenen Zeiten Augusta Treverorum hieß.

Details an römischen Werkstücken

Verschiedene römische Keilnuten und Keiltaschen




und eine schöne Hohlkehle - wozu sie wohl einst gedacht war?
Wie die alten Römer konnte man bei den Felsenmeer-Erlebnistagen schon Steine bearbeiten an der Station der Destag

Römische Werkzeuge



Verschiedene Metallkeile aus dem Felsberg, sie befinden sich heute im Felsberg-Museum in Beedenkirchen

Ein römisches Innungszeichen auf dem Riesenschiff?
Hier das moderne Innungszeichen des Steinhauerhandwerks

Moderne Steinbearbeitung

Viel Bauwerke gibt es im Felsberg, so den Ohlyturm auf dem Gipfel
Den Eulenturm im Südwesten, einst eine Trafostation für die Steinbearbeitung im Felsberg
Der Lampertstein ist aus der Art geschlagen: er ist aus Sandstein gefertigt...
So wurde im Felsberg früher gearbeitet
Im Kesselhaus wurde Druck für die Kompressoren erzeugt
und so sieht es dort heute aus...
Schwedenbohrung nennt man diese spezielle Technik, bei der in die Bohrungen ein besonderer Sprengstoff eingestopft wurde

Das ist noch die Methode wie bei den alten Römern, bevor 1920 die Bohrung mit Preßlufthammer und Sprengstofffüllung erfunden wurde...
Die Seegerhütte, einst Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter die im Felsberg tätig waren, wurde 2009 sehr schön restauriert.

Das Felsenmmer bietet viel wissenswertes!

Das Felsenmeer ist nicht nur ideal zum Wandern, erholen, entdecken und Spaß haben. Dieser, jährlich von Tausenden gerne besuchte Ort bietet auch reichlich Informationen über vergangenes. Im Felsenmeer finden sich viele Spuren der Römer. Alleine auch die Entstehung des Felsenmeer ist eine spannende Geschichte, die Lust auf mehr macht. Hierl lesen Sie alles dazu. Und wem das noch nicht reicht, der wird vom Angebot an Lektüren zum Thema Felsenmeer begeistert sein.