Bei DoGuggschde sind die Geister sehr lebendig

Viel Spaß mit ihren neuen Gewehren hatte die Soldatentruppe des Theaters im Wald bei der Knodener-Kunst-Tour Anfang November 2009, zu der der Odenwälder Kleinkunstverein DoGuggschde alljährlich nur einen ausgewählten Kreis an Teilnehmern mit in den dunklen Wald rund um Schannenbach nimmt. Da das Theaterspielen bei DoGuggschde immer stärker in den Vordergrund rückt, hatte man bereits im letzten Jahr begonnen, die Figuren mit richtigen Kostümen auszustatten. Nur die Gewehre hatten noch gefehlt, sie wurden bisher von geschwärzten Holzatrappen verkörpert. Nun konnte Vereinsmitglied Rainer Beutel sechs originalgetreu wirkende Gewehre anfertigen. Das Edelstahlrohr wurde von Fa. Heizungsbau Karl Delp in Reichenbach gespendet. Weitere Figuren, die den Teilnehmern die historischen Verhältnisse im 30jährigen Krieg und während der Pestzeit nahebrachten, sind die Kräuterhexe, der Bitschenickel alias Nicklas Bitsch, das Bucklisch Männche und ein leibhaftiger Pestzug.
Die Knodener Kunst Tour soll sich bewußt abheben vom kommerziellen Halloween-Klamauk und auf ältere einheimische Bräuche aufmerksam machen. Leider ist es heute so gut wie nicht mehr möglich, an Dickwurz für die gruseligen Leuchtfiguren zu kommen, mit denen die Jugend früher bei Einbruch der Dunkelheit von Haus zu Haus zog und ihre Dickwurz-Fratzen auf langen Stöcken an die Fenster hielten.. Kaum ein Bauer baut noch die mühselig zu pflegende Hackfrucht Dickwurz oder Runkelrübe an, selbst dem Hessischen Trachtenverein gelang es nicht, dieses Jahr wenigstens drei vier Dickwurz aufzutreiben. Alternativ hätten sich ausgehöhlte Kürbisse angeboten, doch darauf verzichtete der Verein und kochte lieber eine deftige Kürbissuppe, mit der sich die Tourteilnehmer am Schluß stärken konnten. Das Rezept steht übrigens im Buch von Thomas Maul “Hütet Euch vor Knoden” nachzulesen!
Einmal im Jahr führt der Verein die Knodener Kunst Tour auf, doch dies ist nicht die einzige Veranstaltung des Kleinkunstver-eins. Allein in diesem Winter gibt es außerdem weitere sechs Veranstaltungen. Am 28. Dezember findet die Rauhnächtetour auf der Neunkircher Höhe statt, bei der es um die alten Odenwälder Bräuche und Figuren der Rauhnacht geht.
Die Rauhnächte sind eine ganz besondere Zeit:
Es sind die Tage - und vor allem die Nächte - zwischen Heiligabend und Heilig-Drei-Könige, auch Zwölfnächte genannt, an denen das Tor zur Geisterwelt besonders durchlässig ist.
Früher, als die Leute noch abergläubisch waren, durfte während der Zwölfnächte nicht gewaschen werden, nicht gekehrt, nicht gebadet - nichts durfte das Haus verlassen, womit die Geister Macht über die Bewohner bekommen konnten. Vor allem frisch gewaschene Wäsche im Garten, aber auch abgeschnittene Fingernägel und Haare, die ins Freie gelangten, oder Hautschuppen, die mit dem Kehrricht vor die Türe kamen, waren solche Dinge, auf die es die Geister abgesehen hatten. War so ein ehemaliges Teil eines Menschen erst einmal in ihrer Hand, bekamen sie die Macht, aus ihrer Geisterwelt hinüber zu kommen in unsere...
Heute sind die Tage "zwischen den Jahren" noch immer eine Zeit der Einkehr, der Besinnung. Und so paßt eine beschauliche Wanderung durch den winterlichen Wald über die Neunkircher Höhe zum Kaiserturm gut in die Stimmung. “Unsere Tour wird eher besinnlich sein, Geisterklamauk à la Halloween ist nicht unser Geschmack,” so lassen die Felsenmeerkobolde vernehmen. Es werden im dunklen Wald die Irrlichter herumhuschen, und selbst Frau Holle persönlich hat ihren Besuch schon angesagt... Vom Kaiserturm auf der Neunkircher Höhe kann man einen atemberaubenden Rundblick über die nächtlichen Odenwald-hügel mit den vielen kleinen Lichtern in den Dörfern genießen, bevor alle zurückkehren in die Menschenwelt, wo es etwas Deftiges Warmes zu essen gibt...